Der Begriff der „Herstellung“ wird im Wohnungseigentumsrecht nicht einheitlich, sondern in mehrfacher Hinsicht verwendet. Gegen den Verkäufer von Wohnungseigentum kommen Gewährleistungsansprüche jedes einzelnen Wohnungserwerbers als Herstellungsanspruch in Frage. Daneben hat jeder Wohnungseigentümer gegen die Gemeinschaft einen Anspruch auf erstmalige mangelfreie Herstellung. Schließlich ist hiervon zu unterscheiden der Anspruch der Gemeinschaft auf Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes, wenn ein Wohnungseigentümer unbefugt bauliche Veränderungen vorgenommen hat.

Der Gewährleistungsanspruch des Wohnungserwerbers folgt den individualvertraglichen Regeln des Wohnungskaufvertrags. Er steht grundsätzlich dem einzelnen Wohnungseigentümer zu und muss gegebenenfalls auch unmittelbar von diesem gegen den Verkäufer gerichtlich geltend gemacht werden.

Allerdings kann die Gemeinschaft die Ausübung solcher Ansprüche, wenn sie sich aufs Gemeinschaftseigentum beziehen, per Mehrheitsbeschluss an sich ziehen und dann selbst daraus vorgehen. Hierdurch kann zum Beispiel vermieden werden, dass ein einzelner Erwerber, dem die Mittel oder der Antrieb für einen Gewährleistungsprozess fehlen, solche auf das gemeinschaftliche Eigentum bezogenen Gewährleistungsansprüche verjähren lässt.

Wenn sich herausstellt, dass der in der Teilungsvereinbarung vorgesehene Zustand überhaupt noch nie erreicht wurde (z. B.: Wärmedämmung nicht ausgeführt, Garagen nicht errichtet, Dach nicht ausgebaut o. Ä.), entspricht es überdies ordnungsgemäßer Verwaltung nach § 21 Abs. 5 Ziff. 2 WEG, dass die Eigentümergemeinschaft diesen vereinbarten Zustand erstmalig herstellt. Diesen Anspruch kann jeder Wohnungseigentümer gegen die Gemeinschaft geltend machen.

Wenn die Gemeinschaft einen entsprechenden Beschlussantrag mehrheitlich ablehnt, kann der Ablehnungsbeschluss angefochten und der angestrebte Herstellungsbeschluss gerichtlich ersetzt werden (§ 21 Abs. 8 WEG). Allerdings kann der Anspruch auf erstmalige Herstellung nach der bisher herrschenden Rechtsprechung verjähren.

Schließlich kann die Wohnungseigentümergemeinschaft von einem Wohnungseigentümer die Wiederherstellung des Ursprungszustandes verlangen, wenn dieser am Gemeinschaftseigentum bauliche Veränderungen vorgenommen hat (Beispiele: Durchbruch in tragender Wand, Einbau andersfarbiger Fenster, Überdachung einer Terrasse …). Auch dieser Anspruch unterliegt der regelmäßigen Verjährung.

Ausnahmsweise besteht dann kein Wiederherstellungsanspruch der Wohnungseigentümergemeinschaft, wenn kein anderer Wohnungseigentümer von der Maßnahme mehr als unerheblich betroffen ist, wenn also niemand nach § 22 Abs. 1 WEG zwingend hätte zustimmen müssen.